Symptome im Vergleich: KPTBS, PTBS, DTD, ADHS und Autismus
​Viele Menschen erleben psychische Herausforderungen, deren Ursachen und Erscheinungsbilder sich manchmal ähneln können. Besonders Traumafolgestörungen, ADHS und Autismus werden im Alltag und auch in der Diagnostik oft miteinander verwechselt oder überschneiden sich. Eine übersichtliche Darstellung der häufigsten Symptome hilft, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser zu verstehen – und sensibel auf sich selbst oder andere zu achten.

1. KPTBS – Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
Typisch sind Symptome infolge von wiederholten, langanhaltenden oder sehr frühen Traumatisierungen (meist in der Kindheit), oft durch Bezugspersonen.
Hauptsymptome:
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Chronische emotionale Instabilität (plötzliche Wut, Traurigkeit, Leere)
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Schwierigkeiten mit Nähe und Bindung (Misstrauen, Rückzug, Angst vor Nähe)
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Problematische Selbstwahrnehmung (Scham, Schuld, Minderwertigkeitsgefühl)
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Dissoziation (Entfremdungserleben, „neben sich stehen“)
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Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren
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Wiederkehrende Flashbacks, Alpträume oder Erinnerungen
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Schlafstörungen
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Soziale Isolation / Beziehungsabbrüche
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Chronisches Gefühl von Unsicherheit oder Bedrohung
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Allgemeine Gefühlstaubheit (Numbing)*
*(Bei der KPTBS tritt häufig zusätzlich eine ausgeprägte Gefühlstaubheit auf. Gemeint ist damit, dass Betroffene wenig oder gar keine Gefühle (weder positive noch negative) wahrnehmen können, oft selbst bei eigentlich emotionalen Situationen. Diese "innere Leere" oder "Abgeschlagenheit des Empfindens" dient meist als unbewusster Selbstschutz und ist eines der Kernsymptome.)​
Hinweis: Bei KPTBS und PTBS - keine wichtigen Entscheidungen treffen und Angehörige über den Zustand informieren, auch wenn es schwerfällt!
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2. PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung
Ausgelöst durch ein klar umrissenes, einschneidendes Trauma (z.B. Unfall, Gewalt, Naturkatastrophe).
Hauptsymptome:
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Wiedererleben des Traumas (Flashbacks, Alpträume)
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Vermeidung von Erinnerungen, Orten oder Menschen, die an das Trauma erinnern
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Übermäßige Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Hypervigilanz („ständige Wachsamkeit“)
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Schlafstörungen
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Gefühl der Entfremdung oder Gefühllosigkeit (emotionales „Abschalten“)
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Konzentrationsprobleme
Hinweis: Bei KPTBS und PTBS - keine wichtigen Entscheidungen treffen und Angehörige über den Zustand informieren, auch wenn es schwerfällt!
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3. DTD – Developmental Trauma Disorder (Entwicklungstraumastörung)
Vor allem im englischsprachigen Raum verwendet, beschreibt Traumafolgen durch wiederholte, schwere Belastungen während der Entwicklung (Kindheit/Jugend); ähnelt der KPTBS, legt aber den Fokus stärker auf Kinder und Jugendliche.
Hauptsymptome:
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Probleme mit Gefühlsregulation (Wutausbrüche, „Abschalten“, extreme Stimmungsschwankungen)
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Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen (auch Erziehern, Lehrkräften)
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Identitäts- und Selbstwertstörungen
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Probleme mit Selbstberuhigung (schnelle Überforderung, wenig Resilienz)
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Wiederholende traumabezogene Gedanken, Spielverhalten oder Träume
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Beziehungsprobleme mit Gleichaltrigen und Erwachsenen
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Entwicklungsverzögerungen in Sprache, Motorik oder Sozialverhalten
4. ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Eine neurobiologische Störung, die vor allem durch Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und (häufig, aber nicht immer) Hyperaktivität gekennzeichnet ist.
Hauptsymptome:
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Unaufmerksamkeit (vergesslich, leicht ablenkbar, Schwierigkeiten, Aufgaben zu Ende zu bringen)
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Impulsivität (vorschnelles Handeln, wenig Vorausplanung)
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(Optionale) Hyperaktivität (ständiger Bewegungsdrang, Zappeln)
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Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement
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Stimmungsschwankungen, Frustrationstoleranz niedrig
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Redseligkeit (häufiges Dazwischenreden)
5. Autismus-Spektrum-Störung (ASS/Autismus)
Ein breites Spektrum von neurologisch bedingten Entwicklungsbesonderheiten mit charakteristischen Schwierigkeiten in Sozialverhalten, Kommunikation und häufig mit besonderen Interessen oder Routinen.
Hauptsymptome:
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Beeinträchtigte soziale Interaktion (Verständnis von Mimik, Gestik, nonverbalen Signalen schwierig)
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Probleme mit Kommunikation (Sprache, nonverbale Kommunikation oder Small Talk oft anders)
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Stereotype, wiederholende Verhaltensweisen (Routinen, sich wiederholende Bewegungen oder Sätze/Geräusche)
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Intensive, eingegrenzte Spezialinteressen
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Empfindlichkeit für Sinneseindrücke (Licht, Geräusche, Berührungen etc.)
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Bedürfnis nach klaren Ritualen, Stress durch Veränderungen im Alltag
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Wichtig:
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Diese Listen zeigen Beispiele der häufigsten und aussagekräftigsten Symptome. Jedes Störungsbild ist individuell, Ausprägungen können stark variieren.
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Überschneidungen sind möglich! Besonders bei Trauma und ADHS/Autismus kann es zu Missverständnissen bei der Diagnose kommen.
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Eine fachliche Abklärung und individuelle Diagnostik durch ärztliche oder therapeutische Fachkräfte sind bei (Verdacht auf) solche Symptome immer empfehlenswert.
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Quellen:
• Deutsche Gesellschaft für Psychotraumatologie (KPTBS, DTD, PTBS)
• DGPPN Leitlinie ADHS
• Autismus Deutschland
• ICD-10/DSM-5 Klassifikation psychischer Störungen
• Deutsche Depressionshilfe (Symptomlisten und Abgrenzungen)