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Masken an der Wall

„Masken des Alltags: Warum Verletzliche sich hinter Ausreden verbergen“

Jeder Mensch schützt sich auf seine Weise, doch gerade Menschen mit tiefen inneren Verletzungen entwickeln oft ganz besondere Strategien, um ihre wahren Gefühle zu verstecken.

Sie tragen Alltagsmasken, sagen Sätze, die harmlos klingen, und vermitteln den Eindruck von

Normalität – während darunter Angst, Scham, Ohnmacht, Wut oder Einsamkeit brodeln.
 

Nicht aus Berechnung, sondern aus Selbsterhalt:

Wer lange gelernt hat, dass echte Gefühle gefährlich, peinlich oder „zu viel“ sind, malt sich ein überzeugendes Bild nach außen.

Doch hinter diesen Worten verbergen sich die wahren Geschichten – und manchmal beginnt Heilung damit, erst diese Masken zu erkennen.

Hier sind die häufigsten Schutzbehauptungen, Selbsttäuschungen und Ausreden, mit denen Verletzliche ihre Angst, ihren Kummer und ihre Hoffnungslosigkeit zu verstecken versuchen

und was tatsächlich dahintersteckt.

  1. „Ich komme einfach alleine besser klar.“
    Nein, eigentlich glaubst du, dass du anderen zur Last fällst oder dass Nähe gefährlich ist. Du hast Angst, enttäuscht oder verletzt zu werden.
     

  2. „Ich brauche gerade einfach meine Ruhe.“
    Ich bin überwältigt von meinen Gefühlen oder habe Angst, zusammenzubrechen, wenn ich mich öffne.
     

  3. „Mir geht’s gut, wirklich, es ist alles okay.“
    Ich will nicht zeigen, wie schlecht es mir wirklich geht – weil Schwäche früher bestraft oder ausgelacht wurde.
     

  4. „Ich bin nur etwas gestresst, das geht wieder vorbei.“
    Das ist oft ein Versuch, tieferliegende Angst, Trauer oder Verzweiflung "wegzuerklären".
     

  5. „Ich mag einfach keine großen Gruppen/Menschenmengen.“
    Eigentlich fühlst du dich unsicher, wertlos oder hast Angst, beobachtet, bewertet oder ausgegrenzt zu werden.
     

  6. „Ich bin halt ein sehr rationaler Mensch, Gefühle sind einfach nicht so mein Ding.“
    Ich habe nie gelernt, mit meinen Gefühlen umzugehen, oder Gefühle wurden in meiner Kindheit bestraft/abgewertet.
     

  7. „Ich brauche keinen, der mir hilft, das habe ich immer allein geschafft.“
    Ich traue niemandem, weil ich schon oft enttäuscht, missbraucht oder fallengelassen wurde.
     

  8. „Das ist nicht wichtig.“ oder „Ich will darüber jetzt nicht reden.“
    Wenn ich Gefühle zulasse, verliere ich die Kontrolle, werde verletzt, missverstanden oder abgelehnt.
     

  9. „Ich bin eben so, das ist meine Persönlichkeit.“
    Das ist nicht deine wahre Persönlichkeit, sondern eine Schutzmauer, die du gebaut hast, um nicht wieder verletzt zu werden.
     

  10. „Ich habe einfach keinen Bock auf das alles.“
    Verschleiert eine tiefe Hoffnungslosigkeit oder das Gefühl, es eh nicht wert zu sein oder sowieso alles falsch zu machen.
     

  11. „Vielleicht passt mein Partner einfach nicht mehr zu mir.“
    Eigentlich bist du innerlich von deinen negativen Gedanken und Zweifeln so überlagert, dass du momentan keine echte Nähe zulassen kannst. Das Problem liegt nicht zwangsläufig im Partner**, sondern in deinen alten Wunden und Ängsten, die Nähe für dich gefährlich machen.
     

  12. „Ich weiß gar nicht mehr, ob ich meinen Partner überhaupt noch liebe.“
    Deine Gefühle sind unter all der Traurigkeit, inneren Kälte und Scham begraben. Die Liebe fühlt sich taub an – aber das liegt oft daran, dass du dich selbst nicht mehr spüren kannst und dich von deinen Gefühlen allgemein abgeschnitten hast.
     

  13. „Ich brauche einfach mehr Freiheit und Abstand in der Beziehung.“
    In Wahrheit kämpfst du mit der Angst, dich zu zeigen wie du bist und vielleicht enttäuscht zu werden. Deine Schutzmauer suggeriert dir, dass Rückzug sicherer ist als Nähe – so muss niemand sehen, wie verletzlich du dich in Wahrheit fühlst.
     

  14. „Arbeit ist einfach nichts für mich, ich halte das da nicht aus.“
    Das ist nicht fehlende Motivation – tatsächlich stecken Versagensängste, ein zerstörtes Selbstwertgefühl oder alte Demütigungen dahinter. Das Arbeitsumfeld wird zum Spiegel innerer Ohnmacht und Selbstzweifel.
     

  15. „Ich muss einfach mal raus, weg von allem, dann wird es besser.“
    Du hoffst, dass ein Ortswechsel den Schmerz verscheucht, doch in Wirklichkeit ist es der Drang zu fliehen, wenn das Leben zu nah, zu traurig oder zu bedrohlich wird. Deine alten Muster suchen Sicherheit im Davonlaufen, nicht in der Auseinandersetzung.

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In allen Fällen gilt:
Hinter solchen Sätzen verbergen sich Angst, Scham, Trauer, Ohnmacht, tiefe Einsamkeit und die (meist unbewusste) Übernahme von alten Überlebensstrategien aus der Kindheit.
Der Weg zur Heilung besteht darin, sich selbst zunächst ehrlich zu begegnen und behutsam mit professioneller Hilfe, in Therapie die echten Gefühle Schritt für Schritt freizulegen und zuzulassen.

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Lösung: Emotion erkennen - zulassen - benennen - aussprechen - nicht fliehen sondern dagegen halten - mit Übungen den Stress reduzieren - Körper durch Tagesstruktur in Balance halten.

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Heilung beginnt in dem Moment, in dem wir nicht mehr den vertrauten alten Mustern folgen, sondern aktiv dagegenhalten.

 

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Beispiele mit Übungen als kleiner Mutmacher

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1. „Ich komme einfach alleine besser klar.“

Wahrer Hintergrund: Dahinter steckt die Angst, anderen zur Last zu fallen, Enttäuschung oder Verletzung zu erleben, und das tief eingelernte Gefühl, dass Nähe gefährlich ist.

Übung für mehr Ehrlichkeit und Mitgefühl: Setz dich einen Moment still hin und frage dich:

  • Wann hast du das erste Mal entschieden, alleine klarzukommen? Gab es eine Situation, in der niemand da war oder du abgewiesen wurdest?

  • Schreibe auf: „Mit wem hätte ich gern mal über meine Angst oder meinen Wunsch nach Nähe gesprochen?“

Mitgefühl-Satz: Es ist verständlich, dass ich gelernt habe, mich lieber zurückzuziehen, als wieder verletzt zu werden. Aber heute darf ich vorsichtig anfangen, Anderen zu zeigen, wenn ich Unterstützung brauche – kleine Schritte sind erlaubt.

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7. „Ich brauche keinen, der mir hilft, das habe ich immer allein geschafft.“

Wahrer Hintergrund: Dahinter steckt ein tiefes Misstrauen. Du hast gelernt, dass du niemandem trauen kannst, weil du oft enttäuscht, verlassen oder im Stich gelassen wurdest.

Übung: Erinnere dich an eine Situation, wo dir (vielleicht überraschend) doch jemand geholfen hat – auch wenn es nur eine Kleinigkeit war.

  • Schreib diese Situation auf und frage dich: Wie hat sich das damals angefühlt? Was war angenehm daran – und was war vielleicht beängstigend?

Mitgefühl-Satz: Es ist nicht schwach, Hilfe anzunehmen; im Gegenteil: Es zeigt Mut, sich auch mit der eigenen Unsicherheit zuzumuten. Jeder Mensch hat das Recht, gesehen und unterstützt zu werden – auch ich.

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10. „Ich habe einfach keinen Bock auf das alles.“

Wahrer Hintergrund: Das verschleiert eine massive Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit oder das Gefühl, ohnehin nie genug zu sein bzw. alles falsch zu machen. Es ist ein Schutz vor kompletter Überforderung.

Übung: Stell dir vor, die „Unlust“ wäre ein Schutzschild, hinter dem du dich verbergen musst.

  • Was wäre, wenn du dich für einen Moment traust, ehrlich zu benennen, was dir wirklich fehlt oder was dich traurig macht?

  • Schreib (oder sage) mindestens einen positiven, realistischen Gedanken dagegen auf, zum Beispiel: „Ich darf müde oder traurig sein, aber ich gebe mir selbst die Chance, trotzdem wieder Freude zu fühlen.“

Mitgefühl-Satz: Es ist in Ordnung, manchmal keinen Antrieb zu haben. Hinter meiner Lustlosigkeit steckt Schmerz und Überforderung, und ich darf mich selbst dafür nicht verurteilen. Jede kleine Bewegung in Richtung Freude ist ein Schritt nach vorn.

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12. „Ich weiß gar nicht mehr, ob ich meinen Partner überhaupt noch liebe.“

Wahrer Hintergrund: Deine Gefühle sind in dir wie unter einer Eisschicht vergraben – unter Traurigkeit, Abgestumpftheit (Emotionsnumbing) oder Scham. In Wahrheit bist du nicht beziehungsunfähig, sondern im Moment nicht fähig, dich selbst und deine Liebe zu spüren.

Übung: Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe spontan – ohne Bewertung – fünf Dinge auf, die du früher an deinem Partner geliebt oder geschätzt hast, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Dann frage dich: 

  • Welche Gefühle verberge ich gerade vor mir selbst?

  • Gibt es Traurigkeit, Angst vor Enttäuschung, Müdigkeit oder Überforderung, die über meine Liebe gelegt sind?

Mitgefühl-Satz: Es ist nachvollziehbar, dass ich manchmal nicht fühlen kann. Mein Herz schützt sich vor noch mehr Schmerz. Meine Liebe zum Partner*in sind nur unter einer Eisschicht vergraben, nicht tatsächlich weg.  Ich erlaube mir, meine Unsicherheit anzuerkennen, ohne mich dafür zu verurteilen.

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13. „Ich brauche einfach mehr Freiheit und Abstand in der Beziehung.“

Wahrer Hintergrund: In Wirklichkeit ist das Bedürfnis nach Distanz häufig ein Schutzmechanismus. Die Angst, sich zu öffnen und verletzlich zu zeigen, ist so groß, dass Rückzug als sicher empfunden wird.

Übung: Setze dich einige Minuten bewusst deinen Gefühlen gegenüber Nähe und Bindung aus:

  • Wann genau verspüre ich das Bedürfnis, mich zurückzuziehen?

  • Welche Gedanken oder Ängste kommen dann auf?

  • Schreibe auf, was im Körper fühlbar wird (Druck, Anspannung, Leere).

  • Erinnere dich dabei an eine Situation, in der Nähe sich sicher oder schön angefühlt hat – auch wenn das schon lange zurückliegt.

Mitgefühl-Satz: Mein Wunsch nach Rückzug ist ein alter Schutz. Nähe macht mir Angst, aber ich muss mich nicht schämen, verletzlich zu sein. Es ist okay, das Tempo selbst zu wählen, ohne zu fliehen und verletzen.

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14. „Arbeit ist einfach nichts für mich, ich halte das da nicht aus.“

Wahrer Hintergrund: Oft liegt hier die Angst vor Versagen, Kritik oder Überforderung verborgen – manchmal auch eine tiefe Erschöpfung oder das Gefühl, ohnehin niemals genug zu sein.

Übung: Schreibe drei Situationen auf, in denen du dich in der Arbeit (oder früher in der Schule oder Ausbildung) klein, ungerecht behandelt oder besonders überfordert gefühlt hast.

  • Frage dich: Welche alten Glaubenssätze tauchen bei mir im Job immer wieder auf?
    Dann ergänze bewusst: Wann habe ich trotz all meiner Zweifel etwas gut gemacht oder positives Feedback bekommen?

Mitgefühl-Satz: Es ist verständlich, dass ich Arbeit als Belastung empfinde, wenn so vieles vorher wehgetan hat. Ich darf mir Zeit lassen, Schritt für Schritt neues Vertrauen in meine Fähigkeiten zu entwickeln.

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** Hinweis:
Wir distanzieren uns ausdrücklich von toxischen, gewalttätigen und narzisstisch geprägten Beziehungen. Die hier genannten Beispiele beziehen sich auf Partnerschaften, die im Kern gesund sind und in denen die Belastung vor allem durch Symptome einer Traumafolgestörung oder Depression entsteht!

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In unserer „Wussten Sie schon?“-Sammlung finden Sie zahlreiche Artikel zu verschiedenen Zuständen, Lebensphasen oder Alltagsbesonderheiten, die besonders für psychisch belastete und traumatisierte Menschen sowie deren Angehörige relevant sind. Im Menü bieten wir Ihnen vielfältige Informationen und Übungen zu vielen Themen an.
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