top of page

GEDANKENKARUSSELL

Raus aus dem Gedankenkarussell: Warum unsere Sichtweise den Alltag färbt

​

Wer unter depressiven Verstimmungen leidet und die Welt um sich herum nur noch dumpf, fad, leer und freudlos erlebt, kennt das unaufhaltsame Gedankenkarussell. Es dreht sich immer schneller, lässt das Gehirn nie zur Ruhe kommen und macht sogar den Alltag anstrengend und schwer.

Dieses Gedankenkarussell entsteht nicht einfach zufällig. Es ist die Folge von Erfahrungen, die unsere Sicht auf uns selbst und auf das Leben geprägt haben – oft schon seit der Kindheit.
Haben Eltern, Nachbarn oder Familienmitglieder immer wieder andere kritisiert, gelästert oder negativ vom Leben gesprochen, wächst ein Kind mit der Überzeugung auf: Die Welt ist schlecht, voller Fehler, nichts ist jemals gut genug.
Im Erwachsenenalter wird dieser Pessimismus zum „inneren Begleiter“. Negative Erwartungen und Zweifel nehmen Überhand. Wer ständig nur das Schlechte erwartet oder gesagt bekommt, verliert irgendwann die Hoffnung – und übersieht das Gute, das bereits da ist.

 

Hinzu kommt:
Das, was Menschen um uns herum reden, färbt ab – ob wir wollen oder nicht. Wenn zu Hause, bei Kollegen oder sogar im Freundeskreis ständig gelästert, kritisiert, abgewertet wird („Die machen ja alle alles falsch. Der Kollege ist einfach nur faul – ich arbeite wenigstens durch.“), setzt sich das wie ein unsichtbarer Schleier in unserem eigenen Kopf ab. Unbemerkt fängt man an, genau so zu denken und die Welt genauso kritisch, grau und trostlos zu sehen – selbst dann, wenn es gar nicht der eigenen, tiefsten Wahrheit entspricht.

Alte Wunden können nicht heilen, solange wir mit einer „verschmutzten Sicht“ durch das Leben gehen.
Wir beginnen, auch die Menschen, die uns eigentlich wichtig und lieb sind, nur noch durch diese trübe Brille der Skepsis und Abwertung zu betrachten. Plötzlich erscheint nichts mehr wertvoll oder ausreichend, alles wirkt mangelhaft (Der beste Freund wird zur Nervensäge, die Mutter zur Jammertante, der Nachbar zum Choleriker, der Partner zum Besserwisser und die Welt zum Limbus) . 

 

Doch – das ist nicht das Ende der Geschichte.


Dieses Muster lässt sich verändern. Der erste Schritt ist, bewusst um sich herum wahrzunehmen, was und wie gesprochen wird. Hören Sie genau hin: Wer redet wie über andere? Welche Sätze wiederholen sich? Wie beeinflusst das Ihre eigene Stimmung und Sichtweise? Stimmen Sie allem zu?

Erst wenn wir den Ursprung und die Wirkung dieser eingefahrenen Denkmuster erkennen, können wir beginnen, sie zu durchbrechen.

 

Dazu eine Metapher, die Ihnen vielleicht hilft, Ihre eigene Sichtweise neu zu prüfen und schrittweise ins Positive zu wenden:

 

Stellen Sie sich vor, Sie tragen im Alltag – wie viele, die mit den Händen arbeiten – immer eine Schutzbrille. Anfangs ist der Durchblick klar: Sie nehmen Alltagssituationen, Menschen, Orte und Stimmungen farbig und lebendig wahr.

Doch mit jedem Tag, an dem die Sorgen wachsen, mehr Aufgaben oder Ärger am Arbeitsplatz auf Ihnen lasten, legen sich feine Schichten von Staub, alten Kommentaren, Erwartungsdruck und auch kleine, kritische Bemerkungen auf die Gläser – von außen und von innen (aus Ihrem eigenen Grübeln heraus).
 

Die Brille wird immer matter, aber weil es so schleichend passiert, fällt es kaum auf.

Irgendwann fällt Ihnen auf, dass alles nur noch grau und stumpf wirkt:
Das Frühstück zieht vorbei, als wäre der Tisch leer – die Gespräche, das Lachen der Kinder, sogar der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee dringen nicht mehr richtig zu Ihnen durch.
Sie schauen auf das Durcheinander im Flur, die Essensreste, die halbfertige Bauarbeit im Garten, und denken: "Nichts ist geschafft, nichts ändert sich. Irgendwie ist alles sinnlos."

Die Arbeiten am Haus aber auch die im Haushalt, in der Familienorganisation, im Alltag eigentlich erledigt werden – von verschiedenen Händen, mit Freude, Liebe oder zumindest Pflichtbewusstsein – gehen in dieser Trübung förmlich unter.
Die Energie, die Ihre Familie, vielleicht sogar Sie selbst in alles stecken, wird nicht mehr sichtbar. Stattdessen werden negative Gedanken lauter, nisten sich ein wie weiterer feiner Staub:

„Das bringt doch alles nichts. Keiner sieht, was ich tue. Die anderen machen sowieso zu wenig. Ich bin der Einzige, der wirklich fleißig ist, die anderen sind faul. Ich schaffe ja sowieso nie das, was ich mir wünsche.“

 

Auf diese Weise werden aus einzelnen dunklen Flecken nach und nach immer größere blinde Bereiche.

Wenn solche depressiven Gedanken länger anhalten, setzen sie sich nicht nur wie Schmutz auf Ihre Alltagsbrille, sondern legen sich wie ein grauer Filter direkt in Ihren Kopf. Bewertungen, Missmut, das Gefühl von Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit werden langsam zur „normalen“ Sicht – bis Sie tatsächlich glauben, alles sei trostlos und leer.

Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch Kommentare und abwertende Meinungen von Kollegen, Freunden, Partnern oder Familienmitgliedern – gerade dann, wenn diese Haltungen nicht nur in der Kindheit vorgelebt wurden, sondern bis heute das Familienklima prägen. So schleichen sich diese Muster besonders tief ein und bestimmen oft unbemerkt das eigene Denken und Fühlen.

 

Was Sie nicht merken: Sie schauen schon lange nicht mehr mit Ihren Augen, sondern durch die Linse der Krankheit und der alten Stimmen. Die Hoffnungslosigkeit ist nicht die Wahrheit, sondern das Ergebnis eines Blicks, der dringend Reinigung braucht.

Erst, wenn Sie einen Moment innehalten, die Brille bewusst reinigen, vielleicht den alten Gedankenstaub abwischen (im Gespräch, im Tagebuch, mit Hilfe durch andere oder dank kleiner Erfolge), verändert sich Ihr Blick wieder.
Alles ist noch da: Wärme, Wert, kleine Lichtblicke, Fürsorge, Bewegung, Farbe.
Manchmal reicht eine saubere Linse – und der Mut, zu schauen, was wirklich ist.

So wie die Schutzbrille Ihre Sicht auf die Arbeit und Ihr Zuhause langsam verändert, schleichen sich auch depressive Gedanken ein. Sie nehmen Ihnen nach und nach die Hoffnung – bis alles farblos, schwer und aussichtslos erscheint. Doch das ist der Schmutz auf der Brille, nicht die Wahrheit.

​

Diese Art zu denken und wahrzunehmen ist nicht einfach nur ein „schlechter Tag“ oder ein bisschen Pessimismus. Gerade bei KPTBS gehören solche trüben, verzerrten Gedanken und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit oft unmittelbar zu den Krankheitssymptomen, welche noch durch Depressionen verstärkt werden.
Wer über viele Jahre in einem Umfeld voller Abwertung, Kritik oder Lieblosigkeit gelebt hat, dessen „innere Brille“ ist mit alten Mustern beschlagen – Misstrauen, Angst, Scham, dauerndes Grübeln und das Gefühl, nie „genug“ zu sein, werden zu automatischen Begleitern.

 

Typisch sind dabei:

  • Gefühlstaubheit („Numbing“): Alles wirkt leer, freudlos, wie durch eine dicke Glasscheibe getrennt.

  • Negativspiralen: Automatische Abwertung von sich selbst und anderen, die aus vergangener Kritik und ständiger Erwartung von Schlechtem stammen.

  • Chronische Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifel: Weil das Gehirn früh gelernt hat: Es lohnt sich nicht, auf Gutes zu hoffen.

  • Extreme Reizbarkeit, Misstrauen oder Rückzug: Jede Situation wird durch die „verschmutzte Brille“ bedrohlicher, unnützer oder bedeutungsloser erlebt.

 

Die Metapher der schmutzigen Brille steht also nicht nur für eine schlechte Laune, sondern beschreibt sehr genau, wie sich KPTBS im Alltag anfühlt und wie mächtig alte Denk- und Verhaltensmuster wirken können.

Doch – auch diese Brille lässt sich, mit Übung und Geduld und der entsprechenden Therapie, Schritt für Schritt reinigen.
 

 

Im Folgenden finden Sie Übungen, mit denen Sie beginnen können, Ihre Sichtweise bewusst zu verändern und neue Hoffnung in Ihr Leben einzuladen

 

Nachdem Sie gemerkt haben, dass es nicht die Welt, sondern Ihre schmutzige Brille ist, die alles grau und schwer erscheinen lässt, entscheiden Sie sich, täglich eine kleine Reinigungsübung zu machen. Diese Übung ist wie ein feuchtes Tuch: Sie wischt Staub, eingefahrene negative Gedanken und depressive Filter langsam aber zuverlässig von der Sicht.

 

Mit jedem Tag, an dem Sie diese kleine Reinigung vornehmen, wird der Ausblick klarer. Am Anfang nur ein milder Schein, ein winziger Lichtblick — aber je öfter Sie diese Übung wiederholen, desto leichter wird es, echte Farbe, Wärme und auch Wertschätzung in Ihrem Alltag zu erkennen.

 

Was ändert sich?

  • Die ständigen negativen Gedanken werden weniger laut.

  • Sie fangen an, auch das Gute und den Einsatz im Alltag wahrzunehmen — in Ihnen selbst, bei anderen, in ganz kleinen Momenten.

  • Ihre Stimmung wird stabiler, Hoffnung und sogar erste Freude werden wieder möglich.

  • Nur wenn der Blick klarer ist, können Sie sich auch den alten Wunden zuwenden — Sie sind nicht mehr im Nebel gefangen, sondern bereit, Ihrem inneren Kind Mitgefühl und Trost zu schenken.

 

Effektive tägliche Übungen gegen negative Gedankenschleifen und depressive Verstimmung

Hier sind bewährte, einfach anwendbare Methoden, die in der Psychologie und Therapie als besonders wirkungsvoll gelten:

 

1. Dankbarkeitstagebuch (Gratitude Journal)
Abends, 5 Minuten:

  • Schreiben Sie täglich drei Dinge auf, die heute positiv waren. Es dürfen auch ganz winzige Momente sein – ein freundlicher Blick, ein gutes Essen, eine erledigte Aufgabe, ein Sonnenstrahl auf dem Tisch, ein angenehmer Geruch, ein ruhiger Augenblick.

 

Vielleicht fragen Sie sich, wie so etwas Unspektakuläres wie ein Lichtstrahl oder ein kurzer Blick zu einer Übung werden kann?

  • Die Antwort: Mit jedem Mal, dass Sie solche Kleinigkeiten wahrnehmen und wertschätzen, trainieren Sie Ihr Gehirn, das Positive bewusster zu sehen und positiv zu bewerten.

    • So entstehen mit der Zeit neue Denkmuster: Ihr innerer Filter wird feiner, Sie beginnen, Hoffnung und Freude im Kleinen zu entdecken – und genau das verändert allmählich Ihre Gefühlslage.

  • Notieren Sie jedes Mal dazu: „Das habe ich heute gesehen“ – Sie trainieren so gezielt Ihren Fokus auf das Positive.

Wirkung:
Schon nach 2–3 Wochen berichten viele von spürbar mehr Hoffnung und besserer Stimmung, weil das Gehirn lernt, gute Erfahrungen öfter und klarer wahrzunehmen.

 

2. Selbstmitgefühl-Übung (nach Kristin Neff)
Täglich, z. B. am Morgen oder nach dem Aufstehen:

  • Legen Sie eine Hand sanft auf Ihr Herz oder Ihren Bauch. Atmen Sie spürbar ein und aus.

  • Sagen Sie sich:

„Es ist okay, dass es schwer ist. Ich kämpfe mit meiner Geschichte. Ich bin trotzdem liebevoll zu mir. Heute schenke ich mir einen kleinen Moment Freundlichkeit.“

Wirkung:
Selbstmitgefühl stoppt die Selbstkritik und bringt emotionale Wärme – das schwächt den depressiven und selbst abwertenden Inneren Dialog.

 

3. „Drei-Minuten-Sonnenstrahl“ (Positiv-Fokus)
Einmal täglich, zum Beispiel:

  • Setzen Sie sich ans Fenster, schließen Sie die Augen und nehmen Sie für 3 Minuten alles wahr, was angenehm ist: Licht, Geräusche, einen Geruch, Gegenstände oder Stimmen.

  • Wiederholen Sie innerlich:

„Ich erlaube mir, jetzt für ein paar Momente Freude zu empfangen.“

Wirkung:
Das Gehirn wird geübt, positive Mikro-Eindrücke zu speichern – mit der Zeit werden sie zu neuen, hoffnungsvollen Erinnerungen.

 

4. Perspektivwechsel-Übung
Abends:

  • Fragen Sie sich: „Wenn jemand anders mein Leben heute angeschaut hätte – was hätte diese Person als gelungen, lebendig, herzlich oder fleißig gesehen?“

  • Notieren Sie einen Satz dazu.

 

5. Innere-Kind-Zeit
Vor dem Schlafen:

  • Schließen Sie die Augen, stellen Sie sich vor, Sie treffen Ihr jüngeres Ich/Ihr inneres Kind. Fragen Sie:

    • „Was war heute schön für dich?“

    • „Was hat dich traurig gemacht?“

    • „Was brauchst du morgen von mir?“

  • Versprechen Sie dem Kind eine kleine Geste am nächsten Tag (z. B. ein ruhiger Moment, eine süße Kleinigkeit, ein freundlicher Satz).

Wirkung:
Das innere Kind bekommt langsam mehr Raum für heilsame, neue Erfahrungen und Gefühle.

Wichtiger Tipp:
Mindestens eine dieser Übungen jeden Tag! Wenn Sie sie über Wochen machen, wird Ihre „innere Brille“ klarer, Hoffnung wächst, depressive Gedankenschleifen werden schwächer. Erst dann wird echte innere Heilarbeit leichter und nachhaltiger möglich.

​

Weitere Übungen finden Sie unter Ü - Raus aus dem Gedankenkarussell

 

Kraftsatz für jeden Tag:

„Heute reinige ich meine Sicht auf mich, meine Familie und das Leben.
Jeder kleine Funke Freude ist ein Schritt zurück zu mir selbst.“

Verfasser: Coaching am südlichen Oberrhein

LOGO COACHING_ALPHA_edited.png

beratung@coachingamrhein.com

 

Bitte Terminanfragen nur per Mail. â€‹

Impressum     Datenschutz     AGB

© 2024 Arbeitsgemeinschaft Coaching am südlichen Oberrhein

bottom of page